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EINE GEMEINDE IST WIE EIN HOTEL


Wenn Ihre Gemeinde ein Hotel wäre, wie viele Sterne würden Sie ihr geben? Unsere Gemeinde ist ein Hotel. Das „Sommerhotel Habicht“. So steht es bunt gemalt und grell umleuchtet an unserer Außenfassade.


Am Anfang stand der Wunsch, in einem Bezirk unserer Stadt
Gemeindearbeit zu machen, in dem sonst von kirchlicher Seite nur
noch diakonisch-karitative Versorgung auf dem Programm steht. Ein klassischer sozialer Brennpunkt mit hohem Anteil an ausländischen Mitbürgern, alleinerziehenden Müttern und Sozialhilfeempfängern. Eine Siedlung, die auch die Stadt scheinbar aufgegeben hat und in die kaum einer freiwillig umzieht. Aber – und das gilt wahrscheinlich für alle sogenannten „sozial schwachen“ Stadtteile – eine Siedlung voller unterschiedlicher Menschen, die voller Sehnsucht nach gemeinsamem Leben sind und doch keinen Ort finden, wo sie dieser Sehnsucht Luft verschaffen können. Mitten in dieser Siedlung steht ein Ladenlokal. Vermietet wird es als Künstleratelier. Ein kleines einstöckiges Haus mit riesigen Fenstern, liebevoll eingequetscht von zwei Mehrfamilienhäusern. Schon seit fast drei Jahren steht hier die Tür offen für die Kinder der Siedlung und auch für die erwachsenen Nachbarn. Eines Tages wurde aus dem Künstleratelier auch ein kleiner Gemeinderaum. Seit anderthalb Jahren treffen sich Christen und interessierte sehnsüchtige Menschen jeden Alters regelmäßig Sonntagabends um 20h zu AimA, der „Andacht im Atelier“. AimA ist ein Gottesdienst in kleinem Kreis, aber mit lautem bewegtem und fröhlichem Gesang und Raum für persönliche Anliegen der Besucher. Durch die großen vorhangslosen Fenster kann man AimA von der Straße aus gut beobachten. Die Atmosphäre wirkt herzlich und einladend. Trotzdem traut sich lange Zeit kaum ein Mensch aus der Siedlung zur Andacht ins Haus. Zu befremdlich wirkt es, dass Glaube noch einmal so nah sein kann.


Dann eröffnete in diesem Sommer das Sommerhotel Habicht. Das
Atelier wurde zum Hotel der Siedlung. Das Sommerhotel Habicht war zunächst ein 4-wöchiges Kinderferienprogramm, zu dem alle Kinder der Siedlung eingeladen wurden. Viele der Kinder hatten keine Gelegenheit, in einen besonderen Sommerurlaub mit ihrer Familie zu fahren, so stand bald fest: Was uns hier fehlt, ist ein Luxushotel, ein Ort, an dem man mitten in unserer Siedlung das Leben in vollen Zügen genießen kann, eben wie im Urlaub.
Die Kinder – unsere Gäste – haben unser kleines Ladenlokal komplett auf den Kopf gestellt. Innerhalb von 4 Wochen machten sie aus dem schmucklosen und baufälligen Gebäude in der Habichtstraße 21 ein 6- Sterne-Luxushotel, das „Sommerhotel Habicht“. Als unsere Gäste im Alter von 6-13 Jahren das Haus am Anfang der Ferien betraten, war es noch von einem Bauzaun umgeben. Außer der Rezeption war auch im Innern noch gähnende Leere. Wir teilten unseren Gästen mit, dass das Hotel vor ihrer Ankunft leider noch nicht fertig geworden war und dass sie daher selbst gefordert seien, ein Hotel nach ihren eigenen Vorstellungen daraus zu schaffen. Schon am ersten Tag wurden Skizzen angefertigt, nach einer Woche stand die Außenfassade mit großem und nachtbeleuchteten Hotelschild, bunt bemalten Blumenkästen und Windrad vor der Tür. Auch eine erste Hotel-Personalschulung hatten die Kinder bereits hinter sich.
In der zweiten Woche wurden unsere Gäste zu Innenarchitekten und Möbelbauern. Es entstanden „der perfekte Kronleuchter“, „der fliegende Ion-Spiegel“, „das ultrabequeme Sommerhotelsofa“, „der geheimnisvolle Narnia-Schrank“ und etwas verspätet auch „das beruhigende Aquarium“. In der 3. Woche waren dann die Künstler und Stuckateure am Werk, um dem ganzen einen letzten Feinschliff zu geben. Die abschließende vierte Woche war ganz von den Vorbereitungen auf das abschließende Hotelfest bestimmt. Eine Gruppe bereitete das Animations- und Fitnessprogramm für die eingeladenen Gäste vor, eine andere die Musik für die große Hotelshow, die auch noch schnell und professionell auf CD aufgenommen wurde. Im Mittelpunkt der Show stand der fetzige Hotelsong:


„Das Sommerhotel Habicht, das steht in unserer Stadt. /
Sommerhotel Habicht, ja, da geht es ab. /
Sommerhotel Habicht, lass die Sorgen sein. /
Sommerhotel Habicht, komm doch einfach rein.“


Eine letzte Gruppe kümmerte sich um die Werbung. Die Kinder schrieben persönliche Einladungen an die Presse, an den Bundeskanzler und den Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf, aber auch an die Direktion des Hilton-Hotels. Die Bild-Zeitung war endlos begeistert von der Presseerklärung eines 10-jährigen und nahm sich einen ganzen Vormittag Zeit zur ausgiebigen Pressekonferenz mit unseren Hotelgästen.
Die Kinder der Siedlung haben in diesen vier Wochen etwas möglich gemacht, was in dieser Gegend eigentlich schon unmöglich schien. Sie lösten Bandenkriege und Vorurteile in Wohlgefallen auf und bauten ihr Hotel gemeinsam, während ihre Eltern oft isoliert nebeneinander leben. Die Kinder begannen, vom Hotel aus wie selbstverständlich auch die Siedlung zu gestalten. Sie reagieren immer weniger ängstlich auf ihren Alltag und ihre Umgebung und verändern sie durch ihre Ideen, Liebe und durch ihre Farben.
Heute treffen sich auch manche der Eltern im Sommerhotel zum
Elterntreff, den sogenannten „7. Stern“ des Sommerhotels. Wir
entwickeln gemeinsam Ideen für unsere Siedlung und für unsere Kinder und Nachbarn. Für viele der Eltern war von Anfang an klar, dass im Mittelpunkt des Sommerhotels AimA steht, unsere sonntägliche Andacht. Unser gemeinsames Gottesdienst-Feiern wird mehr und mehr geprägt durch Leute, die jenseits von besonderer kirchlicher Vorprägung die Kraft des Evangeliums entdecken.


Dann wurde das Sommerhotel wieder umgebaut, zum Palasthotel des Königs Herodes. Ein großes Theaterstück mit Habicht-X-Mas-
Gospelchor und orientalischem Bühnenbild stand auf dem Programm.
Die ganze Siedlung wurde zum Palastgebiet erklärt, in dem der Gospel „freedom is coming“ seine Kreise zieht. Auch die Erwachsenen spielten und sangen mit. Und Heilig Abend stürmten wir die gute alte evangelische Kirchengemeinde am Ort und führen unser Theaterstück dort auf. Auf dass der sonst so ferne Gemeindebezirk spürt, dass Jesus auch in unserer Siedlung zur Welt gekommen ist. Mit den Kostümen und unseren Liedern waren wir dann auch beim Karnevals-Veedelszoch durch unsere Siedlung dabei. Heute stehen eine Menge neue Projekte an. Derzeit wird eine regelmäßige Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen von zwei missionarisch arbeitenden Künstlern und zwei Sozialpädagogen gestartet und im Sommer machen wir wieder ein Ferienprogramm und für zwei Wochen fahren wir mit den Kindern ins Christ-Camp nach Krefeld. Außerdem haben unsere regelmäßigen Morgenandachten begonnen, in denen wir gemeinsam unter Nachbarn im Sommerhotel Bibellesen und beten, auch mit solchen, die dies noch nie getan haben. Am Sommer soll regelmäßig ein Kindergottesdienst stattfinden.

Wie kann ein solches Projekt entstehen? Das Sommerhotel Habicht ist bestimmt kein Standardkonzept für missionarischen Gemeindeaufbau, das sich jetzt überall nachbasteln ließe. Wir wissen nicht, was in Zukunft aus dieser Arbeit wird, wir wissen heute noch nicht, wo Enttäuschungen auf uns zukommen werden. Das Sommerhotel Habicht ist ein Produkt des gemeinsamen Lebens und des Gesprächs mit den liebenswürdigen Menschen eines vernachlässigten Teiles unserer Stadt und dem, was das Gebet aus solchen Begegnungen macht.


Voraussetzung für eine solche Arbeit ist sicher die Bereitschaft, auch in ganz wenigen und unscheinbaren Leuten ein Potential Gottes zu erkennen und in Zeiten, wo gar nichts läuft, vor Gott darum zu wissen, dass wir ihn genau hier suchen werden, bis wir ihn finden. Vorraussetzung ist aber auch eine Gruppe von Menschen, die so eine Arbeit einfach beginnt. Leute, die am Anfang erst zögerlich mitgemacht und dann ihre ganze Zeit und Kraft geopfert haben. Leute, die bereit sind, miteinander zu handeln, zu entdecken und zu beten. Die Kinder sind die besondere Kraft unseres Sommerhotels. Kinder sind halt nicht nur ein Zweig der Gemeindearbeit, mit dem man den Rest garniert, wenn man dafür noch einen Mitarbeiter frei hat. Wer Kinder ernstnimmt, lernt neu glauben.


Vieles am Sommerhotel ist wohl gerade deshalb so entstanden, weil vorher gar nichts da war. Wer nicht für alles schon Mitarbeiter hat, kommt halt nicht darum herum, die Menschen, denen er begegnet, darauf anzusprechen und an sie hohe Erwartungen zu stellen. Wer sein privates Geld einsetzen muss, damit andere feiern können, erntet oft größere Solidarität als der, der geschickt den Gemeindeetat verwaltet. Allerdings ist er auch schneller pleite. Aber Geld ist eben nicht die einzige Währung im Sommerhotel Habicht.

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